Freianlagen an der mittelalterlichen Mikwe, Erfurt

Am Kreuzsand, 99084 Erfurt

Gesamtanlage Mikwe (Bild: Dipl.-Des. Ralph Hinterkeuser, Berlin)

Erläuterungen zur Einreichung

Das neu gestaltete Areal liegt in der Altstadt von Erfurt, an der Nordwestseite der historischen Krämerbrücke und grenzt als westlicher Uferbereich an den Breitstrom an, einem Abschnitt des Flusses Gera. Bei Bauarbeiten für die neue Grünanlage Kreuzsand wurde das kultische Bad der jüdischen Gemeinde, die Mikwe, gefunden. Sie befand sich ursprünglich im Keller eines Hauses innerhalb der mittelalterlich dichten Bebauung. Die baulichen Überreste der Mikwe wurden gesichert und mit einem modernen Flachbau umhüllt, der sich regelrecht im Gelände verbirgt. Für die Sanierung der Grünanlage Kreuzsand erforderte der Fund eine Neuplanung, deren Gestaltungsschwerpunkt nun die umbaute Mikwe als Besichtigungsziel war. Der hohen Bedeutung des Kulturdenkmals und seiner zu erwartenden Frequentierung durch alle Bevölkerungsschichten und Altersgruppen angemessen wurden barrierefreie Wege, Mauern, Grünflächen angelegt und mit Bänken ausgestattet. Die schattenspendenden Bäume wurden weitgehend erhalten. Seitliche Stahlfassungen der Strauch- und Rasenflächen wurden verwendet, um die Wege zum Aussichtsplateau barrierefrei zu halten und hier jegliche Stufen zu vermeiden. Das Plateau auf dem Flachdach bietet Aussicht zur historischen Krämerbrücke und, mit Hilfe einer Stele, auch ins Gebäudeinnere. Über eine barrierefreie Rampe gelangt man zur tieferliegenden Eingangsebene. Wegebegleitend wurde eine dem Fluss abgewandte Stützmauer aus Sichtbeton gebaut sowie mit Struktur und Farbe aufgewertet. Die vorhandene Schwergewichtsmauer am Fluss wurde wegen der barrierefreien Zugänglichkeit in der Höhe dem Gefälle angepasst und neu verkleidet. Für die Rampe selbst wurde gut begehbares Pflaster verwendet. Sie wurde mit rollstuhlgerechten Handläufen und Schrammborden ausgestattet und wird bei Dunkelheit von Einbauleuchten erhellt. Größere Entwässerungsrinnen wurden vermieden, in dem die Flächen direkt in den Breitstrom oder mittels Schlitzrinnen entwässert werden. Auch für die alternative Treppenanlage, die Gebäude und Ufer auf kürzestem Wege erschließt, wurden Vorsichtsmaßnahmen für Sehschwache getroffen: Jede Stufe wurde mit einem Kontraststreifen an der Vorderkante, in der Art einer Intarsie, versehen. Die Beschilderung erfolgte in gut leserlicher Schriftgröße, wurde deutsch/englisch und mit Blindenschrift ausgestattet. Im Innenraum, der Hülle um die Mikwe, setzt sich die Barrierefreiheit auf einer leichten Rampe aus gutbegehbaren Gitterrosten fort, bis an die historischen Fundstücke heran.

Einreichung
BarriereFREI-Preis 2013

Bereich Bauwerke/ Gebäudeensembles, Freiraumgestaltungen, Verkehrsräume, Planungen

Maßgeblich Beteiligte

Bauherr:

Landeshauptstadt Erfurt
Stadtverwaltung
Fischmarkt 1
99084 Erfurt

Landschaftsarchitektur:

PSL Landschaftsarchitekten
Andrea Ziegenrücker, Norbert Kerl
Ziegengasse 10
99084 Erfurt
www.psl-erfurt.de

Architekturbüro:

gildehausreich.architekten BDA
Felix Flechtner, Annekatrin Bindler
Scherfgasse 1
99423 Weimar

Statik:

Hennicke + Dr. Kusch
Abraham-Lincoln-Straße 1
99423 Weimar

Zugang zur Mikwe über Treppe mit Markierungen (Intarsien) für Sehschwache (Bild: Dipl.-Des. Ralph Hinterkeuser, Berlin)

Barrierefreier Zugang zum Plateau (Bild: Dipl.-Des. Ralph Hinterkeuser, Berlin)

Rampe als barrierefreier Zugang zur Mikwe (Bild: Dipl.-Des. Ralph Hinterkeuser, Berlin)

Detail: Rampe entlang der Stützmauer mit Wandeinbauleuchte, Handlauf und Schrammbord (Bild: Dipl.-Des. Ralph Hinterkeuser, Berlin)

Barrierefreie Anlage zum Verweilen, Blick Richtung Norden (Bild: Dipl.-Des. Ralph Hinterkeuser, Berlin)

Übersichtsplan Mikwe (Bild: PSL Landschaftsarchitekten)

Für Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben und die Wahrung der Urheber-, Foto- sowie Autorenrechte seitens der Einreicher, übernimmt der Beauftragte der Thüringer Landesregierung für Menschen mit Behinderungen keine Gewähr. Die Nutzungsrechte sind dem Beauftragten für Menschen mit Behinderungen durch die Einreicher kostenfrei übertragen worden.

Der eingereichte Erläuterungstext wurde weder korrigiert noch lektoriert.

Einreicher war Andrea Ziegenrücker.