Diakonisches Zentrum Spittergrund, Tambach-Dietharz

Schützenplatz, 99897 Tambach-Dietharz

Seniorensiedlung Tambach Dietharz - Mitten im Zentrum - Barrierefreiheit in einem niederschwelligen städtischen Umfeld (Bild: Jörg Lammert)

Erläuterungen zur Einreichung

DIAKONISCHES ZENTRUM SPITTERGRUND in Tambach Dietharz „Für verwundbare und alte Menschen zu bauen, erfordert mehr als guten Geschmack, sauberes Handwerk und die Einhaltung barrierefreier Normen.“ Barrierefreiheit für die Siedlung bedeutet auch, dass: - die Seniorensiedlung mit Größe und Netzwerkstruktur auf den lokalen Wohn- und Hilfebedarf fokussiert, um bei Umzug einen Ortswechsel zu vermeiden und die Mithilfe der Angehörigen zu ermöglichen. - eine zentrale Lage in niederschwelligem Umfeld neben Café, Kiosk und Kirche eine Teilhabe der Bewohner am kommunalen Leben ermöglicht, dieses bereichert und ruinöse Brachflächen durch einen Treffpunkt aller Generationen ersetzt. Barrierefreiheit für die Tagespflege bedeutet auch, dass: - 12 Gäste zu Hause wohnen bleiben können und trotzdem gepflegt werden können. Barrierefreiheit für die 8 Wohnungen bedeutet auch, dass: - Ebenerdigkeit mit Terrassen, Beeten und Werkstatträumen Aktivitäten ermöglicht. Für den Aufzug fallen keine Bau- und Betriebskosten an. - die Wohnungen für 2 Personen nutzbar sind, aber die Miete auch für eine Person bezahlbar ist. - eine Umstrukturierung des Baukörpers in eine Wohngemeinschaft bei sich verstärkendem Pflegebedarf möglich wäre. Barrierefreiheit für die Wohngemeinschaften bedeutet auch, dass: - in 4 Wohngemeinschaften für jeweils 12 pflegebedürftige Bewohner mit täglichem Wunschessen-Kochen, Kuchen-Backen und Wäsche-Waschen Alltagsnähe geboten und einer Institutionalisierung vorgebeugt wird. - durch die Entwicklung milieutherapeuthischer Konzepte mit wohnungstypischen Grundrissen und Rundgängen auch Bewohnern mit Demenz ein Rituale ermöglichendes Wohnumfeld geboten wird. - die tageslichtorientierte Planung der Innenräume dem erhöhten Lichtbedarf der Senioren Rechnung trägt und Depressionen vorbeugt. Durch die mehrseitige Lichtorientierung verschiedener Räume wird die Schlagschattenwirkung aufgehoben, was die Kontrasterkennung für Senioren verbessert. - die Intensität des Farbkonzepts auch bei zunehmender Vergrauung des Augenlichts Orientierung und Farberfahrung ermöglicht. - der zentral gelegene Kneipphof mit einfachen Mitteln die Gesundheit der Bewohner fördert. - der Andachtsraum auch zu einem zentralen Treffpunkt innerhalb des Ortes geworden ist. - 12 Türen zu den beschützen Gärten, Balkonen und Dachterrasse auch für Menschen mit Demenz allzeit zu öffnen sind. - die Gartengestaltung des beschützen Gartens mit Rundwegen, Bewuchs und Absicherungen auch für Menschen mit Demenz umgesetzt wurde.

Preisträger

BarriereFREI-Preis 2013

Bereich Bauwerke/ Gebäudeensembles, Freiraumgestaltungen, Verkehrsräume, Planungen

Maßgeblich Beteiligte

Bauherr:

Josias Löffler Diakoniewerk Gotha gGmbH
Herr Thomas Gurski, Frau Kathrin Scharffenberg
Gleicher Weg 1-10
99880 Mechterstädt

Generalplanung:

Jörg Lammert GEROTEKTEN
Planungsbüro für soziale Aufgaben
Brühl 6
99423 Weimar
http://www.gerotekten.de

Statik:

BC Architekten Ingenieure
Lutherstr.37
06886 Lutherstadt Wittenberg
http://www.bc-wb.de

Integration in den Ortskern - kleinteilige Baukörpergliederung gestaltet Akzeptanz ohne Barrieren (Bild: Jörg Lammert)

Der Kneipphof - fördert Gesundheit mit einfachen Mitteln (Bild: Jörg Lammert)

Die Dachterrasse auf der Tagespflege - ständig offene Türen auch für Bewohner mit Demenz (Bild: Jörg Lammert)

Das Einweihungsfest mit Volkstanz im Juli 2013 - Treffpunkt der Generationen auf dem Schützenplatz (Bild: Jörg Lammert)

Beschützte Gärten, Einpassung ins Umfeld, ebene Terassen und Werkstattbereiche erhöhen Wohn- und Lebensqualität (Bild: Jörg Lammert)

Die Tagespflege - Wohnen zu Hause - Pflege am Tage in Gemeinschaft mit Blick zur Kirche (Bild: Jörg Lammert)

Offene Wohnbereiche mit Terrasse und Blick zur Küche, Milieutherapeuthische Ansätze lassen Heimat entstehen (Bild: Jörg Lammert)

Wohnküchenpanorama - Licht von 4 Seiten hebt Schlagschatten auf; Blickachsen sichern bauliche gefasste Angstprävention (Bild: Jörg Lammert)

Den Eingang im Blick - Die Bank vor der Tür - Sozialplanungsparameter ermöglichen Rituale (Bild: Jörg Lammert)

Beurteilung der Jury

Wenn der Begriff der Barrierefreiheit auf einen ganzheitlichen Ansatz zielt, und dies ist die primäre Intention des Preises „BarriereFREI!“, dann kann das Diakonische Zentrum Spittergrund als beispielhaft gelten. Die physischen Konditionen der Barrierefreiheit für Menschen mit Behinderung, also etwa für Personen mit Mobilitätsbehinderungen oder sensorischen Einschränkungen, sind hier sehr gut eingelöst. Die Ebenerdigkeit und Schwellenlosigkeit von Terrassen, Wegen und Gemeinschaftsräumen schafft entsprechende Bewegungsfreiheit, die notwendigen Sanitärräume sind barrierefrei gestaltet und für die Wahrnehmung, speziell die Orientierung Sinnesbehinderter, wirken eine intensive Farbigkeit und gute Belichtung förderlich.
Der Ansatz geht aber, wie die Autoren auch selbst beschreiben, deutlich darüber hinaus, indem ein Milieu gestiftet wird, das auch soziale, ja psychologische Barrieren der Kommunikation und des Zusammenlebens abbauen will und eine entsprechende Atmosphäre erzeugt. Da ist die durch angemessene Größe und Vernetzung erreichte Einbindung des Diakonischen Zentrums in den lokalen Ortskontext, so dass einer Isolierung des Zentrums vorgebeugt wird. Unter anderem können Nutzer des Zentrums zu Hause wohnen bleiben und trotzdem gepflegt werden. Oder es sind – um einen anderen Aspekt zu nennen – innerhalb des Zentrums Wohngemeinschaften ausgebildet, in denen sich das Alltagsleben auf selbstverständliche Weise kooperativ entwickeln kann, durch gemeinsames Kochen u.ä. Auch den speziellen Anforderungen von Demenzkranken wird Rechnung getragen, indem ihnen Terrassen, Gärten usw. selbstverständlich offen stehen können. Es wird ebenso versucht, auf die bei Demenz verstärkte Ritualisierung des Verhaltens durch entsprechende milieutherapeutische Ansätze wie Rundgänge oder geeignete Wohnungsgrundrisse zu reagieren. Die Jury hebt hervor, dass es bei dem Diakonischen Zentrum gelungen ist, differenziert auf die diversen Anforderungsbilder der Barrierefreiheit einzugehen, diese zugleich aber in einer funktional und ästhetisch guten Architektur zu verschmelzen. Insofern ist das Projekt ein sehr guter Beitrag zu einem wohlverstandenen Universal Design und zu einer Baukultur der Barrierefreiheit.

Für Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben und die Wahrung der Urheber-, Foto- sowie Autorenrechte seitens der Einreicher, übernimmt der Beauftragte der Thüringer Landesregierung für Menschen mit Behinderungen keine Gewähr. Die Nutzungsrechte sind dem Beauftragten für Menschen mit Behinderungen durch die Einreicher kostenfrei übertragen worden.

Der eingereichte Erläuterungstext wurde weder korrigiert noch lektoriert.

Einreicher war Jörg Lammert.